
Gewichtszunahme
trotz Sport : Wenn Schlafapnoe den Erfolg blockiert
Sie trainieren regelmäßig, achten auf die Ernährung – und trotzdem tut sich auf der Waage nichts. Das ist frustrierend, und oft folgt der Gedanke, man mache etwas falsch oder strenge sich nicht genug an. Dabei liegt die Ursache manchmal gar nicht im Training oder in der Ernährung, sondern in etwas, das die meisten nie in Betracht ziehen : im eigenen Schlaf.
Warum bringt Sport manchmal einfach nichts ?
Gewichtsregulation ist mehr als reine Kalorienbilanz – ein großer Teil wird über Hormone gesteuert, die vor allem nachts im Schlaf ausgeschüttet werden. Wenn der Schlaf durch nächtliche Atemaussetzer ständig unterbrochen wird, gerät dieses hormonelle System aus dem Gleichgewicht – unabhängig davon, wie diszipliniert Sie trainieren.
Die Hormone, die im Schlaf über Gewichtszunahme entscheiden
Leptin (Sättigungshormon): sinkt bei gestörtem Schlaf um bis zu 15 – 20 % – das Sättigungsgefühl setzt schwerer ein
Ghrelin (Hungerhormon): steigt im gleichen Zeitraum um bis zu 15 – 20 % – vor allem der Appetit auf kalorienreiche, zuckerhaltige Lebensmittel nimmt zu
Cortisol (Stresshormon): wird durch die wiederholten nächtlichen Weckreaktionen zusätzlich ausgeschüttet und begünstigt die Einlagerung von Fett, insbesondere am Bauch
Wachstumshormon (HGH): wird überwiegend im Tiefschlaf freigesetzt und ist zentral für Muskelaufbau und Regeneration nach dem Training – genau dieser Tiefschlaf wird durch Schlafapnoe besonders häufig unterbrochen
Der Zusammenhang
Gewichtszunahme und Insulin
Bereits eine einzige schlecht durchschlafene Nacht kann die Insulinsensitivität messbar senken. Der Körper produziert dann mehr Insulin, was die Einlagerung von Fett begünstigt und den Fettabbau zusätzlich erschwert – ein Effekt, der sich bei chronisch gestörtem Schlaf durch Schlafapnoe Nacht für Nacht wiederholt.
Der Teufelskreis zwischen Gewichtszunahme und Schlafapnoe
Hier schließt sich ein Kreis : Übergewicht begünstigt Schlafapnoe, weil sich Fettgewebe im Rachenraum ablagert und die Atemwege zusätzlich verengt. Die Schlafapnoe wiederum erschwert über die genannten hormonellen Effekte die Gewichtsabnahme. Ohne Behandlung der Schlafapnoe verstärkt sich dieser Kreislauf oft von selbst – unabhängig vom persönlichen Einsatz beim Sport.
Untersuchungen zeigen sogar, dass Menschen mit unbehandelter Schlafapnoe im Zeitverlauf tendenziell stärker zunehmen als Menschen mit vergleichbarem Ausgangsgewicht ohne Atmungsstörung. Der Grund liegt in genau den hormonellen Mechanismen, die wir oben beschrieben haben – sie wirken jede Nacht aufs Neue, unabhängig von Ernährung und Training. Deshalb lohnt es sich, den Kreislauf nicht allein über Diät und Sport durchbrechen zu wollen, sondern die Schlafapnoe selbst behandeln zu lassen. Erst wenn beide Seiten – Gewicht und Schlaf – gemeinsam angegangen werden, lässt sich der Teufelskreis nachhaltig auflösen.
Was bedeutet das
für Ihr Training ?
Weniger Tiefschlaf bedeutet weniger Wachstumshormon und damit schlechtere Regeneration und Muskelaufbau nach dem Training. Tagesmüdigkeit raubt Energie und Motivation für intensive Einheiten. Und der gesteigerte Appetit, besonders auf energiereiche Lebensmittel, kann selbst konsequentes Training in der Kalorienbilanz wieder zunichtemachen.
Was können Sie tun ?
Wenn Sie trotz konsequentem Training und bewusster Ernährung keine Fortschritte sehen und zusätzlich Schnarchen, beobachtete Atempausen oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit dazukommen, lohnt sich eine Schlafapnoe-Abklärung als möglicher blinder Fleck. Wird die Schlafapnoe behandelt, etwa mit CPAP, kann sich der hormonelle Kreislauf wieder normalisieren.
Wie CPAP funktioniert → CPAP-Therapie
Wann sollten Sie es abklären lassen ?
Keine Fortschritte trotz regelmäßigem Training und angepasster Ernährung Lautes Schnarchen oder von Partner:in beobachtete Atempausen Ausgeprägte Tagesmüdigkeit trotz ausreichender Schlafzeit Verstärkter Heißhunger, besonders abends oder nachts

MEDIZINISCH GEPRÜFT
VON DR.SEBASTIAN HELLMANN
Dr. Sebastian Hellmann ist Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie mit den Schwerpunkten Schlafmedizin und Allergologie. Nach dem Studium der Humanmedizin an der Universität Leipzig und der Promotion zum Dr. med. sammelte er langjährige klinische Erfahrung u. a. am Helios Klinikum Emil von Behring (Berlin), am DRK Klinikum Westend (Berlin), an der Asklepios Klinik Gauting sowie am Lungenzentrum des Diakonissen-krankenhauses Augsburg. 2019 gründete er seine Privatpraxis Herz Lunge im Zentrum in München und leitet dort die schlafmedizinische Diagnostik des Mobilen Schlaflabors.
+ Facharzt für Innere Medizin & Pneumologie
+ Zusatzqualifikation Schlafmedizin
+ Ärztliche Leitung — Mobiles Schlaflabor /
Herz Lunge im Zentrum, München
