Ein Mann liegt unruhig im Bett und wirkt im Schlaf angespannt, Symbol für eine Parasomnie oder Schlafstörung.


Parasomnie :
Ungewöhnliche Verhaltensweisen im Schlaf verstehen

Schlaf­wan­deln, nächt­li­ches Auf­schre­cken oder leb­haf­te Alb­träu­me – Para­s­om­ni­en gehö­ren zu den Schlaf­stö­run­gen, die oft mehr das Umfeld als die Betrof­fe­nen selbst beun­ru­hi­gen. Meist sind sie harm­los und wach­sen sich, vor allem bei Kin­dern, von selbst aus. In man­chen Fäl­len sind sie aber ein wich­ti­ges medi­zi­ni­sches Warn­si­gnal, das ernst genom­men wer­den sollte.

Definition und Kriterien

Para­s­om­ni­en sind uner­wünsch­te kör­per­li­che Ereig­nis­se oder Erleb­nis­se, die beim Ein­schla­fen, im Schlaf selbst oder beim Auf­wa­chen auf­tre­ten – etwa Bewe­gun­gen, Ver­hal­tens­wei­sen, Emo­tio­nen oder Träu­me. Sie wer­den danach unter­schie­den, in wel­cher Schlaf­pha­se sie auf­tre­ten, was auch für die Ein­ord­nung und Behand­lung ent­schei­dend ist.


NREM-Parasomnien : Ereignisse aus dem Tiefschlaf

Typisch für die ers­te Nacht­hälf­te, wenn der Tief­schlaf­an­teil am höchs­ten ist :
Schlaf­wan­deln (Som­nam­bu­lis­mus): kom­ple­xe Bewe­gungs­ab­läu­fe bis hin zum Umher­ge­hen, ohne dass sich Betrof­fe­ne am nächs­ten Mor­gen dar­an erin­nern. Bei Kin­dern deut­lich häu­fi­ger als bei Erwach­se­nen und meist harmlos.


Pavor noc­turnus (Nacht­schreck): plötz­li­ches Auf­schre­cken mit Schrei­en, schnel­lem Puls und Schweiß­aus­bruch, meist ohne ech­tes Erwa­chen und ohne Erinnerung.


Schlaf­trun­ken­heit : ver­wirr­tes, ver­lang­sam­tes Reagie­ren beim Auf­wa­chen aus dem Tief­schlaf, teils mit unan­ge­mes­se­nen Handlungen


REM-Parasomnien : Ereignisse aus dem Traumschlaf

Häu­fi­ger in der zwei­ten Nacht­hälf­te, wenn der REM-Anteil zunimmt :
Alb­träu­me : belas­ten­de, gut erin­ner­li­che Träu­me mit voll­stän­di­gem Erwa­chen, bei häu­fi­gem Auf­tre­ten mit spür­ba­rer Belas­tung im All­tag.
REM-Schlaf-Ver­hal­tens­stö­rung : die nor­ma­ler­wei­se vor­han­de­ne Mus­kel­er­schlaf­fung im REM-Schlaf bleibt aus, Betrof­fe­ne „leben“ ihre Träu­me kör­per­lich aus – mit Ver­let­zungs­ri­si­ko für sich selbst und Bettpartner:innen. Betrifft über­wie­gend Män­ner über 50.



Wie häufig sind Parasomnien und wie werden sie abgegrenzt ?

Schlaf­wan­deln und Pavor noc­turnus betref­fen schät­zungs­wei­se 15 – 30 % aller Kin­der zumin­dest gele­gent­lich, im Erwach­se­nen­al­ter deut­lich weni­ger. Gene­ti­sche Ver­an­la­gung, Schlaf­man­gel, unre­gel­mä­ßi­ge Schlaf­zei­ten, Fie­ber, Stress, Alko­hol und bestimm­te Medi­ka­men­te kön­nen Para­s­om­ni­en begüns­ti­gen oder aus­lö­sen. Wich­tig ist die Abgren­zung zu nächt­li­chen epi­lep­ti­schen Anfäl­len, die äußer­lich ähn­lich wir­ken kön­nen, sich aber meist durch ste­reo­ty­pe, kur­ze und mehr­fach pro Nacht wie­der­keh­ren­de Epi­so­den unter­schei­den – im Zwei­fel hilft eine Video-Poly­s­om­no­gra­phie bei der Unterscheidung.

Bei Kin­dern gel­ten NREM-Para­s­om­ni­en in aller Regel als harm­lo­se Rei­fungs­phä­no­me­ne des sich noch ent­wi­ckeln­den Schlaf­sys­tems, die sich mit zuneh­men­dem Alter von selbst zurück­bil­den. Hal­ten die Epi­so­den bis ins Jugend- oder Erwach­se­nen­al­ter an oder tre­ten sie dort erst­mals auf, lohnt sich eine genaue­re Abklä­rung, da dann häu­fi­ger zugrun­de lie­gen­de Aus­lö­ser wie Schlaf­man­gel, psy­chi­sche Belas­tung oder ande­re Schlaf­stö­run­gen eine Rol­le spielen.


Warum sind manche Parasomnien ernstzunehmen ?

Para­som­mi­en sind kei­nes­wegs nur harm­lo­se Eigen­hei­ten im Schlaf, son­dern kön­nen mit spür­ba­ren gesund­heit­li­chen Risi­ken ver­bun­den sein. Bei­spiels­wei­se führt Schlaf­wan­deln (Som­nam­bu­lis­mus) häu­fig zu gefähr­li­chen Stür­zen, Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit oder unbe­ab­sich­tig­ten Ver­let­zun­gen. Geziel­te Schutz­maß­nah­men im häus­li­chen Umfeld – wie das Sichern von Fens­tern, Trep­pen und Türen – sind daher unver­zicht­bar, um die eige­ne Sicher­heit und die von Ange­hö­ri­gen wirk­sam zu gewährleisten.

Beson­ders medi­zi­nisch rele­vant ist die soge­nann­te REM-Schlaf-Ver­hal­tens­stö­rung. Bei die­ser spe­zi­el­len Form leben Betrof­fe­ne ihre Träu­me phy­sisch aus, was nicht nur zu nächt­li­chen Ver­let­zun­gen füh­ren kann, son­dern oft auch ein frü­hes neu­ro­lo­gi­sches Signal dar­stellt. Sie tritt nicht sel­ten Jah­re oder gar Jahr­zehn­te vor schlei­chen­den neu­ro­de­ge­nera­ti­ven Erkran­kun­gen wie Mor­bus Par­kin­son oder einer Lewy-Kör­per-Demenz auf. Aus die­sem Grund gilt sie als eines der frü­hes­ten bekann­ten Warn­zei­chen, das unbe­dingt von einem Fach­arzt gründ­lich abge­klärt und im wei­te­ren Ver­lauf regel­mä­ßig beob­ach­tet wer­den sollte.


Portrait von Dr. Hellmann, Experte für das Mobile Schlaflabor in München

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