Frau schläft ruhig im Bett während einer nächtlichen Schlafanalyse zur Bestimmung des AHI

Schlafbezogene Bewegungsstörung : Restless-Legs-Syndrom und periodische Beinbewegungen


Ein Zie­hen, Krib­beln oder Unru­he­ge­fühl in den Bei­nen, das genau dann beginnt, wenn Ruhe ein­keh­ren soll – das Rest­less-Legs-Syn­drom (RLS) gehört zu den häu­figs­ten, aber oft lan­ge uner­kann­ten Ursa­chen für gestör­ten Schlaf. Eng ver­wandt, aber eigen­stän­dig, sind die peri­odi­schen Bein­be­we­gun­gen im Schlaf (PLMD), die den Schlaf stö­ren, ohne dass Betrof­fe­ne selbst etwas davon bemerken.

Definition und Kriterien

Das Rest­less-Legs-Syn­drom ist gekenn­zeich­net durch einen star­ken, meist unan­ge­neh­men Bewe­gungs­drang der Bei­ne, der in Ruhe auf­tritt oder sich ver­stärkt, sich durch Bewe­gung bes­sert und typi­scher­wei­se abends oder nachts am stärks­ten aus­ge­prägt ist. Peri­odi­sche Bein­be­we­gun­gen im Schlaf (PLMD) sind unwill­kür­li­che, rhyth­mi­sche Zuckun­gen der Bei­ne wäh­rend des Schlafs, die den Schlaf frag­men­tie­ren, ohne dass die Betrof­fe­nen davon auf­wa­chen – als eigen­stän­di­ge Dia­gno­se gilt PLMD, wenn ein Bewe­gungs­in­dex (PLMI) von mehr als 15 pro Stun­de bei Erwach­se­nen mit spür­ba­rer Tages­be­ein­träch­ti­gung vor­liegt und kein RLS besteht.


Wie häufig ist das
Restless-Legs-Syndrom ?

Je nach Kri­te­ri­en sind 5 – 10 % der Bevöl­ke­rung in west­li­chen Indus­trie­län­dern zumin­dest gele­gent­lich betrof­fen, bei rund 2 – 3 % ist das RLS so aus­ge­prägt, dass es behand­lungs­be­dürf­tig wird. Frau­en sind deut­lich häu­fi­ger betrof­fen als Män­ner, was unter ande­rem mit Schwan­ger­schaf­ten zusam­men­hängt : Beson­ders im letz­ten Schwan­ger­schafts­drit­tel tritt RLS gehäuft auf und bil­det sich nach der Geburt meist wie­der zurück.


Typische Symptome des Restless-Legs-Syndroms

Krib­beln, Zie­hen oder Unru­he­ge­fühl, meist in den Unter­schen­keln
Aus­ge­präg­ter Bewe­gungs­drang, der durch Auf­ste­hen oder Umher­ge­hen gebes­sert wird. Ver­stär­kung der Beschwer­den am Abend und in der Nacht
Dadurch beding­te Ein­schlaf­stö­run­gen und unru­hi­ger, frag­men­tier­ter Schlaf



Was verursacht ein Restless-Legs-Syndrom ?

Man unter­schei­det eine idio­pa­thi­sche (oft fami­li­är gehäuf­te) Form von sekun­dä­ren For­men, die durch Eisen­man­gel, Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz (ins­be­son­de­re bei Dia­ly­se­pflicht), Schwan­ger­schaft oder bestimm­te Medi­ka­men­te (z. B. man­che Anti­de­pres­si­va oder Anti­hist­ami­ni­ka) aus­ge­löst oder ver­stärkt wer­den. Der Eisen­stoff­wech­sel im Gehirn spielt eine zen­tra­le Rol­le : Ein laten­ter Eisen­man­gel, auch bei noch nor­ma­lem Blut­bild, gilt heu­te als einer der wich­tigs­ten behan­del­ba­ren Auslöser.


Wie wird das Restless-Legs-Syndrom diagnostiziert und behandelt ?

Es gibt kei­nen ein­zel­nen objek­ti­ven Test – die Dia­gno­se stützt sich auf eine sorg­fäl­ti­ge Ana­mne­se anhand aner­kann­ter Kri­te­ri­en. Bei jeder Erst­dia­gno­se und bei Ver­schlech­te­rung soll­te der Eisen­sta­tus (ins­be­son­de­re Fer­ri­tin) bestimmt wer­den. Eine Poly­s­om­no­gra­phie kann ergän­zend ein­ge­setzt wer­den, ins­be­son­de­re um beglei­ten­de peri­odi­sche Bein­be­we­gun­gen zu erfas­sen oder ande­re Schlaf­stö­run­gen aus­zu­schlie­ßen. Ers­ter Behand­lungs­schritt ist die Opti­mie­rung des Eisen­stoff­wech­sels, bei nach­ge­wie­se­nem Man­gel durch geziel­te Eisen­sub­sti­tu­ti­on. Reicht das nicht aus, gel­ten Alpha-2-del­ta-Ligan­den (z. B. Gaba­pen­tin, Pre­ga­ba­lin) heu­te als medi­ka­men­tö­se Erst­li­ni­en­the­ra­pie. Dopa­mi­na­go­nis­ten wer­den zurück­hal­ten­der ein­ge­setzt, da sie bei län­ge­rer Anwen­dung zu einer Ver­schlech­te­rung der Beschwer­den (Aug­men­ta­ti­on) füh­ren können.

Bei leich­ten bis mit­tel­schwe­ren Beschwer­den rei­chen die genann­ten nicht-medi­ka­men­tö­sen Maß­nah­men häu­fig bereits aus, um die Näch­te spür­bar zu ver­bes­sern. Bei mit­tel­schwe­ren bis schwe­ren Ver­laufs­for­men soll­te eine medi­ka­men­tö­se The­ra­pie jedoch nicht zu lan­ge hin­aus­ge­zö­gert wer­den, da unbe­han­del­tes RLS auf Dau­er zu chro­ni­schem Schlaf­man­gel und einer erheb­li­chen Beein­träch­ti­gung der Lebens­qua­li­tät füh­ren kann.


Was können Sie selbst tun ?

Mode­ra­te, regel­mä­ßi­ge Bewe­gung tags­über, war­me oder kal­te Bäder am Abend sowie leich­te Bein­mas­sa­gen kön­nen die Beschwer­den lin­dern. Kof­fe­in, Alko­hol und Niko­tin am Abend soll­ten mög­lichst gemie­den wer­den, da sie die Sym­pto­me ver­stär­ken kön­nen. Ein fes­tes Zubett­geh-Ritu­al hilft zusätz­lich, den ohne­hin fra­gi­len Schlaf zu stabilisieren.

Nicht jede nächt­li­che Bein­be­schwer­de ist ein Rest­less-Legs-Syn­drom : Klas­si­sche Waden­krämp­fe etwa tre­ten plötz­lich und schmerz­haft auf, betref­fen meist ein­zel­ne Mus­kel­grup­pen und bes­sern sich durch Deh­nen – nicht durch all­ge­mei­ne Bewe­gung. Ein Füh­ren eines kur­zen Beschwer­de-Tage­buchs über zwei bis drei Wochen kann hel­fen, das eige­ne Beschwer­de­mus­ter vor dem Arzt­ge­spräch bes­ser einzuordnen.


Wann sollten Sie es abklären lassen ?

Regel­mä­ßi­ges Unru­he­ge­fühl in den Bei­nen, das den Schlaf beein­träch­tigt. Deut­li­che Bes­se­rung der Beschwer­den durch Bewe­gung. Bekann­ter Eisen­man­gel, Nie­ren­er­kran­kung oder Schwan­ger­schaft mit neu­en Beschwer­den. Vom Part­ner beob­ach­te­te, wie­der­keh­ren­de Bein­zu­ckun­gen im Schlaf


Portrait von Dr. Hellmann, Experte für das Mobile Schlaflabor in München

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