Ärztin wertet Schlafmessdaten am Laptop aus und erstellt eine medizinische Analyse zur Diagnose von Schlafapnoe.

Schlafprobleme und Schlafstörungen
der große Ratgeber

Nicht jede schlech­te Nacht ist gleich eine Krank­heit – aber wenn schlech­ter Schlaf zum Dau­er­zu­stand wird, steckt oft eine behan­del­ba­re Schlaf­stö­rung dahin­ter. Rund 70 % der Men­schen in Deutsch­land erle­ben inner­halb eines Jah­res vor­über­ge­hen­de Schlaf­pro­ble­me, bei bis zu 10 % wird dar­aus eine chro­ni­sche Insom­nie mit spür­ba­rer Tages­be­ein­träch­ti­gung. Die­ser Rat­ge­ber gibt einen Über­blick über die wich­tigs­ten Schlaf­stö­run­gen, erklärt Insom­nie im Detail und zeigt, wel­che The­ra­pie laut aktu­el­ler Leit­li­nie wirk­lich hilft.

Was passiert
eigentlich im Schlaf ?

Schlaf ver­läuft in Zyklen von je ca. 90 Minu­ten, die sich 4 – 6x pro Nacht wie­der­ho­len – mit Leichtschlaf‑, Tief­schlaf- und REM-Pha­sen. Beson­ders in der Tief­schlaf- und REM-Pha­se ent­spannt sich die Mus­ku­la­tur im Rachen­raum stark. Genau das wird bei Schlaf­apnoe zum Pro­blem, weil die ent­spann­te Mus­ku­la­tur die Atem­we­ge ver­en­gen oder ver­schlie­ßen kann.

Erschöpfte Frau mit Kopfschmerzen sitzt am Schreibtisch – typisches Symptom von Schlafstörungen und nächtlichen Atemaussetzern.

Welche Arten von Schlafstörungen gibt es ?

Sie lie­gen nachts wach oder wachen immer wie­der auf und fin­den nicht in den Schlaf zurück. Was gele­gent­lich nor­mal ist, wird zum Pro­blem, wenn es über Mona­te anhält und der All­tag dar­un­ter leidet.


Bei die­ser Art von Schlaf­stö­rung setzt die Atmung im Schlaf wie­der­holt aus oder wird flach – meist unbe­merkt von den Betrof­fe­nen selbst. Die häu­figs­te Form ist die obstruk­ti­ve Schlaf­apnoe, oft beglei­tet von lau­tem Schnarchen.


Hypersomnien

Trotz aus­rei­chen­der Schlaf­dau­er bleibt eine aus­ge­präg­te Tages­schläf­rig­keit bestehen. Bei die­ser Schlaf­stö­rung schla­fen Betrof­fe­ne unge­wollt tags­über ein oder kom­men mor­gens kaum in Gang – unab­hän­gig davon, wie lan­ge sie geschla­fen haben.


Die­se Schlaf­stö­rung zeigt sich durch unge­wöhn­li­che Ver­hal­tens­wei­sen wäh­rend des Schlafs wie Schlaf­wan­deln, Alb­träu­me oder nächt­li­ches Auf­schre­cken. Sie tre­ten meist in bestimm­ten Schlaf­pha­sen auf und sind den Betrof­fe­nen am nächs­ten Mor­gen oft nicht bewusst.


Unru­hi­ge Bei­ne oder unwill­kür­li­che Bewe­gun­gen stö­ren den Schlaf, ohne dass die Betrof­fe­nen rich­tig auf­wa­chen. Das bekann­tes­te Bei­spiel ist das Rest­less-Legs-Syn­drom mit sei­nem cha­rak­te­ris­ti­schen Krib­beln in den Beinen.


Zirkadiane Rhythmusstörungen

Die inne­re Uhr gerät aus dem Takt, etwa durch Schicht­ar­beit oder Zeit­zo­nen­wech­sel. Schlaf- und Wach­zei­ten pas­sen dann nicht mehr zum natür­li­chen Tag-Nacht-Rhyth­mus des Körpers.


Was ist Schlafapnoe ? Schlafapnoe bezeichnet wiederholte Atemaussetzer (Apnoen) oder Atemflachlagen (Hypopnoen) während des Schlafs.

Person mit angelegtem mobilem Schlafdiagnostik-Gerät sitzt entspannt auf dem Sofa während der Vorbereitung zur nächtlichen Schlafanalyse zu Hause

Obstruk­ti­ve Schlaf­apnoe : die häu­figs­te Form – die Atem­we­ge wer­den durch ent­spann­te Muskulatur/​Gewebe blo­ckiert.

Zen­tra­le Schlaf­apnoe : Sel­te­ner – das Gehirn sen­det zeit­wei­se kein Atem­si­gnal an die Atem­mus­ku­la­tur.

AHI : Anzahl der Atem­aus­set­zer pro Stun­de Schlaf Leicht­gra­dig : AHI 5 – <15/​h Mit­tel­gra­dig : AHI 15 – 30/​h Schwerg­ra­dig : AHI >30/​h

Warum ist die Schlafstörung Schlafapnoe
so gefährlich ?

Jeder Atem­aus­set­zer senkt kurz­zei­tig die Sau­er­stoff­sät­ti­gung im Blut und akti­viert das Stress­sys­tem – das Herz-Kreis­lauf-Sys­tem wird nachts hun­der­te Male »wach­ge­rüt­telt«. Lang­fris­ti­ge Fol­gen, wenn unbe­han­delt :

1. Blut­hoch­druck
2. Erhöh­tes Risi­ko für Herz­in­farkt und Schlag­an­fall
2. Herz­rhyth­mus­stö­run­gen
3. Erhöh­tes Risi­ko für Typ-2-Dia­be­tes
4. Aus­ge­präg­te Tages­schläf­rig­keit
5. Kon­zen­tra­ti­ons- und Gedächt­nis­pro­ble­me
6. Erhöh­tes Unfall­ri­si­ko durch Sekundenschlaf

Son­der­fall Fahr­taug­lich­keit
Nach Anla­ge 4 der Fahr­erlaub­nis­ver­ord­nung (FeV, Punkt 11.2.3) kann bei mit­tel­schwe­rer bis schwe­rer OSA die Fahr­erlaub­nis nur bestehen blei­ben, wenn eine geeig­ne­te The­ra­pie erfolgt und kei­ne mess­ba­re Tages­schläf­rig­keit mehr vor­liegt. Berufs­kraft­fah­rer (LKW, Bus, Taxi) müs­sen sich jähr­lich, pri­va­te Füh­rer­schein­in­ha­ber spä­tes­tens alle 3 Jah­re ärzt­lich kon­trol­lie­ren lassen.

Erschöpfte Frau mit Kopfschmerzen sitzt am Schreibtisch – typisches Symptom von Schlafstörungen und nächtlichen Atemaussetzern.

Welche Therapieformen gibt es ?

(Gold­stan­dard): Über eine Mas­ke wird ein leich­ter Über­druck erzeugt, der die Atem­we­ge offen hält.


Unterkiefer-
protrusions-
schiene

Alter­na­ti­ve bei leich­ter bis mit­tel­schwe­rer OSA. Laut IQWiG-Bericht (2020) der CPAP-The­ra­pie bei der Tages­schläf­rig­keit nicht unter­le­gen, beim AHI aber schwä­cher wirk­sam. Bei AHI > 45 meist nicht ausreichend


Lagerungstherapie

Sinn­voll, wenn Atem­aus­set­zer vor allem in Rücken­la­ge auftreten.


Gewichtsreduktion & Lebensstil

Ver­zicht auf Alkohol/​Sedativa vor dem Schla­fen, Gewichts­ab­nah­me bei Übergewicht.




Modernes CPAP-Therapiegerät steht auf einem Nachttisch im Schlafzimmer, neben einer Lampe und Dekoration.

Wann sollten Sie
es abklären lassen ?

Hier beant­wor­ten wir die häu­figs­ten Fra­gen rund um unser mobi­les Schlaf­la­bor – kom­pakt, ver­ständ­lich und auf den Punkt. 

Lau­tes, unre­gel­mä­ßi­ges Schnar­chen mit von Partner:in beob­ach­te­ten Atempausen

Weil die Atem­aus­set­zer selbst im Schlaf meist nicht bemerkt wer­den, ist die Beob­ach­tung durch Partner:in oder Ange­hö­ri­ge oft der ers­te und wich­tigs­te Hin­weis auf eine Schlaf­apnoe. Typisch ist ein unre­gel­mä­ßi­ges Mus­ter : lau­tes Schnar­chen, dann plötz­li­che Stil­le, gefolgt von einem hör­ba­ren Schnap­pen nach Luft. Wird das wie­der­holt beob­ach­tet, soll­te es zeit­nah ärzt­lich abge­klärt werden.

Auf­wa­chen mit Atem­not oder Erstickungsgefühl

Wenn Sie nachts abrupt auf­schre­cken und dabei das Gefühl haben, kei­ne Luft zu bekom­men, ist das ein deut­li­ches Warn­si­gnal. Meist folgt dar­auf ein tie­fes, hör­ba­res Ein­at­men, mit dem sich die Atem­we­ge nach einem Atem­aus­set­zer wie­der öff­nen. Vie­le Betrof­fe­ne erklä­ren sich die­ses Gefühl fälsch­li­cher­wei­se mit Alb­träu­men oder Stress, dabei steckt häu­fig eine uner­kann­te Schlaf­apnoe dahin­ter. Tritt die­ses Auf­wa­chen wie­der­holt auf, soll­te es ernst genom­men und unter­sucht werden.

Mor­gend­li­che Kopf­schmer­zen oder tro­cke­ner Mund

Wachen Sie regel­mä­ßig mit dump­fem Kopf­schmerz oder aus­ge­trock­ne­tem Mund auf, ist das meist Fol­ge der wie­der­hol­ten Sau­er­stoff­ab­fäl­le in der Nacht sowie häu­fi­gen Mund­at­mens bei blo­ckier­ten Atem­we­gen. Der Kör­per reagiert auf die Atem­aus­set­zer mit einer leich­ten Weit­stel­lung der Blut­ge­fä­ße im Kopf, was mor­gens als Druck­ge­fühl oder Kopf­schmerz spür­bar wird. Tritt die­ses Sym­ptom über län­ge­re Zeit auf, ist es ein ernst­zu­neh­men­der Hin­weis auf eine mög­li­che Schlafapnoe.

Aus­ge­präg­te Tages­mü­dig­keit trotz aus­rei­chen­der Schlafzeit

Wer trotz sie­ben oder acht Stun­den im Bett tags­über stän­dig erschöpft ist, unge­wollt weg­nickt oder sich kaum kon­zen­trie­ren kann, schläft in Wahr­heit oft nicht durch. Jeder Atem­aus­set­zer reißt den Kör­per kurz aus dem Tief­schlaf, ohne dass dies bewusst wahr­ge­nom­men wird – die Schlaf­dau­er stimmt, die Schlaf­qua­li­tät nicht. Die­se Dis­kre­panz zwi­schen Schlaf­zeit und Erho­lung ist eines der typischs­ten Anzei­chen für eine Schlafapnoe.

Nächt­li­cher Harndrang

Häu­fi­ges Auf­wa­chen zum Was­ser­las­sen wird oft der Bla­se oder dem Alter zuge­schrie­ben – tat­säch­lich steckt bei vie­len Betrof­fe­nen eine Schlaf­apnoe dahin­ter. Der wie­der­hol­te Sau­er­stoff­man­gel durch die Atem­aus­set­zer setzt ein Hor­mon frei, das die nächt­li­che Urin­pro­duk­ti­on stei­gert. Tritt ver­mehr­tes nächt­li­ches Was­ser­las­sen zusam­men mit ande­ren Sym­pto­men wie Schnar­chen oder Tages­mü­dig­keit auf, lohnt sich eine schlaf­me­di­zi­ni­sche Abklärung.

Schwer ein­stell­ba­rer Bluthochdruck

Reagiert Ihr Blut­druck trotz meh­re­rer Medi­ka­men­te kaum auf die Behand­lung, soll­te auch an Schlaf­apnoe als Ursa­che gedacht wer­den. Die wie­der­hol­ten Atem­aus­set­zer akti­vie­ren nachts das Stress­sys­tem und las­sen den Blut­druck immer wie­der anstei­gen – ein Kreis­lauf, den Medi­ka­men­te allein oft nicht durch­bre­chen kön­nen. Wird die Schlaf­apnoe erfolg­reich behan­delt, lässt sich der Blut­druck bei vie­len Betrof­fe­nen deut­lich bes­ser einstellen.

Portrait von Dr. Hellmann, Experte für das Mobile Schlaflabor in München