
Was passiert eigentlich im Schlaf ? Schlafphasen und Schlafzyklen einfach erklärt
Schlaf ist kein durchgehend gleichförmiger Zustand, sondern ein aktiver, klar strukturierter Prozess. Innerhalb einer Nacht durchläuft der Körper mehrere Zyklen aus unterschiedlichen Schlafphasen – jede mit eigener Funktion für Körper und Gehirn. Wer versteht, was dabei eigentlich passiert, versteht auch besser, warum bestimmte Schlafstörungen so unterschiedliche Beschwerden verursachen.
Non-REM- und
REM-Schlaf :
Die Grundstruktur
Schlaf gliedert sich in zwei grundlegend verschiedene Zustände : den Non-REM-Schlaf (unterteilt in Leichtschlaf und Tiefschlaf) und den REM-Schlaf (Rapid Eye Movement), auch Traumschlaf genannt. Eine gesunde Nacht durchläuft diese Stadien in einer festen Abfolge : Leichtschlaf, Tiefschlaf, wieder Leichtschlaf, REM-Schlaf – und beginnt danach von vorn.
Die Schlafphasen
im Detail
Leichtschlaf (N1/N2): der Übergang vom Wachsein in den Schlaf. Muskulatur, Atmung und Herzschlag verlangsamen sich zunehmend. Macht den größten Anteil der Nacht aus.
Tiefschlaf (N3): körperlich besonders erholsame Phase, zentral für Zellregeneration, Immunabwehr und die Ausschüttung von Wachstumshormon. Macht etwa 20 – 25 % der Schlafzeit aus und konzentriert sich vor allem auf die erste Nachthälfte.
REM-Schlaf : geprägt von lebhaften Träumen, schnellen Augenbewegungen und einer nahezu vollständigen Erschlaffung der Skelettmuskulatur. Wichtig für Gedächtnisbildung und emotionale Verarbeitung. Macht etwa 15 – 25 % der Schlafzeit aus und wird zur zweiten Nachthälfte hin länger.
Wie verändert sich der Schlaf im Laufe des Lebens ?
Die Schlafarchitektur verändert sich im Laufe des Lebens kontinuierlich und ist eng an die jeweiligen körperlichen und geistigen Bedürfnisse angepasst. Säuglinge und Kinder verbringen einen deutlich größeren Anteil ihrer Schlafzeit im Tiefschlaf. Diese Phase ist besonders wichtig für Wachstum, körperliche Regeneration, die Ausschüttung von Wachstumshormonen sowie die Entwicklung des Gehirns. Auch der REM-Schlaf, der unter anderem eine wichtige Rolle für die Verarbeitung von Erlebnissen und das Lernen spielt, ist in jungen Jahren stärker ausgeprägt.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Zusammensetzung der Schlafphasen. Der Anteil des Tiefschlafs nimmt allmählich ab, während die Leichtschlafphasen zunehmen. Gleichzeitig wird der Schlaf häufig weniger stabil : Nächtliche Wachphasen treten häufiger auf und die Gesamtschlafqualität kann subjektiv als weniger erholsam empfunden werden. Diese Veränderungen sind ein natürlicher Bestandteil des Alterungsprozesses und allein kein Hinweis auf eine Erkrankung.
Warum wird die Muskulatur im Schlaf so entspannt –
und warum ist das für Schlafstörungen wichtig ?
Gerade in Tiefschlaf- und REM-Phasen entspannt sich die Muskulatur im Rachenraum besonders stark. Bei anatomisch engen Atemwegen kann genau das dazu führen, dass sich die Atemwege verengen oder ganz verschließen – die Grundlage der obstruktiven Schlafapnoe. Auch andere Schlafstörungen hängen eng mit bestimmten Phasen zusammen : Parasomnien wie Schlafwandeln treten typischerweise im Tiefschlaf auf, die REM-Schlaf-Verhaltensstörung dagegen im REM-Schlaf, wenn die eigentlich vorgesehene Muskelerschlaffung ausbleibt und Bewegungen ausagiert werden.
Wann wird der Schlafablauf zum Problem ?
Wird der natürliche Ablauf der Schlafphasen wiederholt gestört – etwa durch Atemaussetzer, Bewegungsunruhe oder eine gestörte innere Uhr – bleibt die Erholungsfunktion des Schlafs auf der Strecke, selbst wenn die reine Schlafzeit ausreichend erscheint. Anhaltende Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, trotz ausreichend Schlaf nicht erholt zu sein, sind typische Warnzeichen, die eine schlafmedizinische Abklärung sinnvoll machen. Feste Schlafenszeiten, ein dunkles, kühles Schlafzimmer und der Verzicht auf Bildschirme, Koffein und Alkohol am Abend unterstützen einen ungestörten Ablauf der Schlafphasen.
Was können Sie tun ?
Wenn Sie trotz konsequentem Training und bewusster Ernährung keine Fortschritte sehen und zusätzlich Schnarchen, beobachtete Atempausen oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit dazukommen, lohnt sich eine Schlafapnoe-Abklärung als möglicher blinder Fleck. Wird die Schlafapnoe behandelt, etwa mit CPAP, kann sich der hormonelle Kreislauf wieder normalisieren.
Wie CPAP funktioniert → CPAP-Therapie

MEDIZINISCH GEPRÜFT
VON DR.SEBASTIAN HELLMANN
Dr. Sebastian Hellmann ist Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie mit den Schwerpunkten Schlafmedizin und Allergologie. Nach dem Studium der Humanmedizin an der Universität Leipzig und der Promotion zum Dr. med. sammelte er langjährige klinische Erfahrung u. a. am Helios Klinikum Emil von Behring (Berlin), am DRK Klinikum Westend (Berlin), an der Asklepios Klinik Gauting sowie am Lungenzentrum des Diakonissen-krankenhauses Augsburg. 2019 gründete er seine Privatpraxis Herz Lunge im Zentrum in München und leitet dort die schlafmedizinische Diagnostik des Mobilen Schlaflabors.
+ Facharzt für Innere Medizin & Pneumologie
+ Zusatzqualifikation Schlafmedizin
+ Ärztliche Leitung — Mobiles Schlaflabor /
Herz Lunge im Zentrum, München
