Eine junge Frau hält sich erschöpft die Nase und nimmt ihre Brille ab, Symbol für Tagesmüdigkeit.


Hypersomnie :
Wenn exzessive Tagesschläfrigkeit
zur Belastung wird



Jeder kennt Müdig­keit nach einer kur­zen Nacht. Hyper­som­ni­en sind etwas ande­res : eine aus­ge­präg­te, täg­li­che Tages­schläf­rig­keit, die trotz aus­rei­chen­der oder sogar über­durch­schnitt­lich lan­ger Schlaf­zeit bestehen bleibt. Sie wer­den häu­fig über Jah­re als „ich bin ein­fach kein Mor­gen­mensch“ fehl­ge­deu­tet – dabei steckt oft eine eigen­stän­di­ge, gut behan­del­ba­re neu­ro­lo­gi­sche Erkran­kung dahin­ter, die typi­scher­wei­se bereits im Jugend- oder jun­gen Erwach­se­nen­al­ter beginnt.

Definition und Kriterien

Von einer Hyper­som­nie spricht man, wenn trotz aus­rei­chen­der Gele­gen­heit zum Schla­fen eine exzes­si­ve Tages­schläf­rig­keit besteht, die nicht durch eine ande­re Schlaf­stö­rung, Medi­ka­men­te oder eine unzu­rei­chen­de Schlaf­zeit erklär­bar ist. Betrof­fe­ne schla­fen tags­über unge­wollt ein, kom­men mor­gens nur schwer in Gang oder benö­ti­gen deut­lich mehr Schlaf als frü­her, ohne sich dadurch erholt zu fühlen.


Die wichtigsten Formen

Nar­ko­lep­sie Typ 1 : exzes­si­ve Tages­schläf­rig­keit in Kom­bi­na­ti­on mit Kataple­xien (plötz­li­cher, emo­tio­nal aus­ge­lös­ter Mus­kel­to­nus­ver­lust), oft auch Schlaf­läh­mung und hyp­n­ago­gen Hal­lu­zi­na­tio­nen beim Ein- oder Auf­wa­chen. Ursa­che ist meist ein Man­gel des wach­heits­för­dern­den Boten­stoffs Orex­in (Hypo­cretin), ver­mut­lich auto­im­mun bedingt.


Nar­ko­lep­sie Typ 2 :
Die Sym­pto­me ähneln denen der Nar­ko­lep­sie Typ 1, jedoch tre­ten kei­ne Kataple­xien (plötz­li­cher Ver­lust der Mus­kel­span­nung) auf. Zudem ist der Orex­in­spie­gel im Ner­ven­was­ser (Liqu­or) in der Regel nor­mal. Die Betrof­fe­nen lei­den vor allem unter aus­ge­präg­ter Tages­schläf­rig­keit und unge­woll­ten Einschlafepisoden.


Idio­pa­thi­sche Hyper­som­nie :
Exzes­si­ve Tages­schläf­rig­keit, oft mit sehr lan­gem Nacht­schlaf (über 10 Stun­den) und aus­ge­präg­ter Schlaf­trun­ken­heit beim Auf­wa­chen – ohne Kataplexien.


Sekun­dä­re Hyper­som­nie : Tages­schläf­rig­keit als Fol­ge einer ande­ren Erkran­kung, etwa neu­ro­lo­gi­scher Vor­er­kran­kun­gen, psy­chi­scher Erkran­kun­gen oder als Medikamentennebenwirkung.


Die Nar­ko­lep­sie ist sel­ten – man geht von etwa 1 von 2.000 Men­schen aus –, wird aber wegen ihrer wech­sel­haf­ten und oft unspe­zi­fi­schen Sym­pto­ma­tik im Schnitt erst Jah­re nach Beginn der Beschwer­den kor­rekt diagnostiziert.


Wie äußert sich eine Hypersomnie im Alltag ?

Neben dem unfrei­wil­li­gen Ein­schla­fen in mono­to­nen Situa­tio­nen – beim Lesen, Fern­se­hen oder sogar im Gespräch – berich­ten vie­le Betrof­fe­ne von auto­ma­ti­schem Ver­hal­ten : Hand­lun­gen wer­den im Zustand star­ker Schläf­rig­keit fort­ge­führt, ohne dass sie sich spä­ter dar­an erin­nern kön­nen. Para­do­xer­wei­se ist der Nacht­schlaf bei Nar­ko­lep­sie trotz der mas­si­ven Tages­schläf­rig­keit häu­fig frag­men­tiert und unru­hig, mit häu­fi­gem Aufwachen.

Beson­ders im Berufs­le­ben und im Stra­ßen­ver­kehr kann eine unbe­han­del­te Hyper­som­nie erheb­li­che Risi­ken mit sich brin­gen : Sekun­den­schlaf am Steu­er oder an Maschi­nen ist kei­ne Sel­ten­heit, wird von Betrof­fe­nen aber oft ver­harm­lost oder aus Scham ver­schwie­gen. Auch das sozia­le Umfeld reagiert nicht sel­ten mit Unver­ständ­nis, wenn schein­bar grund­lo­se Müdig­keit trotz lan­ger Schlaf­zei­ten auf­tritt – ein zusätz­li­cher Grund, war­um eine kla­re Dia­gno­se für vie­le Betrof­fe­ne ent­las­tend wirkt.



Wie wird eine Hypersomnie diagnostiziert ?

Der ers­te Schritt ist der Aus­schluss ande­rer, häu­fi­ge­rer Ursa­chen für Tages­schläf­rig­keit – allen vor­an der Schlaf­apnoe und eines chro­ni­schen Schlaf­man­gels durch eine gestör­te inne­re Uhr. Hier­zu gehö­ren Schlaf­ta­ge­bü­cher und Akti­gra­phie über meh­re­re Wochen. Zur wei­ter­füh­ren­den Dia­gnos­tik im Schlaf­la­bor zäh­len die Poly­s­om­no­gra­phie über Nacht sowie der Mul­ti­ple-Schlaf­la­tenz-Test (MSLT) am Fol­ge­tag, der die Ein­schlaf­nei­gung tags­über objek­tiv misst. Bei Ver­dacht auf Nar­ko­lep­sie Typ 1 kann ergän­zend die Orex­in-Kon­zen­tra­ti­on im Ner­ven­was­ser (Liqu­or) bestimmt werden.


Warum ist der AHI
trotzdem wichtig ?

Trotz sei­ner Gren­zen bleibt der AHI die zen­tra­le Bezugs­grö­ße in der Pra­xis : Er ent­schei­det über The­ra­pie­emp­feh­lun­gen, die Kos­ten­über­nah­me durch Kran­ken­kas­sen und – bei mit­tel­schwe­rer bis schwe­rer OSA – auch über Auf­la­gen zur Fahr­taug­lich­keit. Wich­tig ist dabei immer die fach­ärzt­li­che Ein­ord­nung im Kon­text der indi­vi­du­el­len Symptome.


Portrait von Dr. Hellmann, Experte für das Mobile Schlaflabor in München

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